Alleine in Thailand Charissa Colorado, USA Teil 2 - WirSindDu

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Alleine In Thailand

Die emotionale Achterbahnfahrt vor dem Umzug -- Teil 2

Seltsamerweise war ich nach dieser Tirade des Misstrauens

für die letzten anderthalb Monate des Semesters völlig gefühllos. Ich hatte definitiv einen aufbauenden Schlafmangel von meinem Senior Design Projekt. Ab einem Zeitpunkt schlief ich nur zwei Stunden in vier Tagen, aber ich denke, die Ursache war Überforderung. Ich glaube, es passierten so viele Veränderungen und Dinge, dass mein Gehirn jegliche Emotionen, die ich hatte, abschaltete. 

Es war so seltsam, in dieser Zeit nichts zu fühlen. Einer meiner besten Freundinnen hörte auf mit mir zu reden und hasste mich und ich fühlte nichts dabei. Ich wusste, dass ich alle meine Freunde vom College verlassen würde, einige der Menschen, die ich am meisten auf der Welt liebte und fühlte nicht das geringste bisschen Traurigkeit. Während meiner gesamten Abschlussfeier und der riesigen Leistung, die sich über vier Jahre aufgebaut hat, fühlte ich nicht das geringste bisschen Aufregung oder Nervosität während der ganzen Sache.

Ich kaufte mein Flugticket nach Thailand, one-way, und es bereitete mir nicht das geringste bisschen Sorge oder Aufregung. Die Leute fragten mich, wie ich mich wegen des Umzugs fühlte und ich sagte ihnen, ich sei aufgeregt wegen eines neuen Abenteuers, aber das war eine Lüge. Nach meinem Abschluss an der Oklahoma State University zog ich mit all meinen Besitztümern nach Houston, Texas, um meinen letzten Monat in den Vereinigten Staaten mit meiner Familie zu verbringen.

Wir verbrachten Weihnachten in Kalifornien mit der Familie meiner Mutter.

Mein Vater sprach mit mir unter vier Augen und sagte mir, dass sie nicht wollen das ich nach Thailand ziehe. Meine Tanten fragten meine Mutter immer wieder, was sie davon hält, dass ich nach Thailand ziehe und sie sagte ihnen, dass sie sich bei dem Gedanken daran “übergeben muss”. Ich überstand Weihnachten und fühlte mich immer noch schuldig, weil ich meine Eltern dazu gebracht hatte, sich so zu fühlen. Wir reisten zurück nach Houston, fünf Tage vor meiner Abreise nach Thailand.

In den Tagen vor meiner Abreise wurden meine Mutter und mein Vater sehr traurig.

Sie hatten mich mehrmals gebeten, nicht zu gehen und mir gesagt, dass ich immer noch aussteigen könnte. Meine Mutter sah einfach nur deprimiert aus, wenn sie mich ansah. Sie sagte immer wieder, dass sie wütend auf mich war, wegen meiner Abreise. Man konnte das Elend einfach in ihrem Gesicht sehen.

Zwei Tage vor meiner Abreise, einfach so, kamen alle meine Gefühle wieder hoch. Mir wurde klar, dass ich ganz allein in einem neuen Land sein würde. Wenn etwas Schlimmes passieren würde, würde ich kein Unterstützungssystem haben und niemanden auf den ich mich verlassen könnte. Wenn ich krank werde oder ins Krankenhaus muss, kann mich niemand begleiten. Wenn meiner Familie etwas zustoßen würde, wäre ich 26 Flugstunden entfernt. Die Zeitzonen sind entgegengesetzt, so dass ich nicht in der Lage sein würde, meine Familie ständig anzurufen, wie ich es im College tat.

Ich hatte unglaubliche Freunde an der OSU, Freunde, auf die ich mich verlassen konnte, und mir wurde klar wie sehr ich sie auch vermissen würde. Ich werde ganz von vorne anfangen müssen. In Bangkok hatte ich niemanden. Mein ganzes Leben lang war ich von Liebe und Unterstützung umgeben gewesen und jetzt würde ich all das verlassen.

Am Abend vor meiner Abreise aß ich mit meinen Eltern Abendessen und ich begann zu weinen.

Das ist eine große Sache, denn seit ich jung war, habe ich nie vor Leuten geweint. Meine Familie ist in dieser Hinsicht sehr Norwegisch; wir zeigen KEINE Emotionen. Ich hatte mir im Kopf gesetzt, wenn sie mich noch einmal bitten würden nicht zu gehen, ich würde ja sagen. Ich würde in den USA bleiben. Aber stattdessen sagte mir mein Vater, schockierender weise, er dachte, dass ich es lieben würde. Er sagte, dass ich einsam sein würde, wenn ich dort ankomme, aber es die Erfahrung meines Lebens sein würde und redete mir meine Ängste vor dem Alleinsein aus. Meine Mutter sagte jedoch nichts. Ich glaubte nicht, dass sie das konnte, ich dachte sie hätte geweint. Es war genau das, was ich hören musste. Ich ging ins Bett, immer noch sehr aufgewühlt, aber etwas getröstet.

An dem Tag, an dem ich abreiste, am 5. Januar 2018, war mein Flug für 17 Uhr vorgesehen.

Dieser Tag war einer der emotionalsten die ich je erlebt habe. Ich sah meine Eltern weinen, wir beteten gemeinsam, bevor ich abreiste. Das erschütterte mich zutiefst, denn ich hatte meinen Vater noch nie zuvor weinen sehen. Sie baten Gott um Schutz, Unterstützung, Liebe und darum mich auf den richtigen Weg zu führen. Das machte alles so echt.

Die Tränen liefen mir über das Gesicht, als ich mich auf den Rücksitz legte, um die einstündige Fahrt zum Bush International Airport anzutreten. Als ich mit meiner Mutter am Flughafen ankam, um mich abzusetzen, ging sie mit mir hinein. Wieder war ich bereit, aus der Universität auszusteigen und zu Hause zu bleiben, wenn meine Mutter mich darum bitten würde. Zu meinem Entsetzen sagte sie mir auch, ich werde den meisten Spaß haben, den ich je hatte. Das ich es lieben werde. Ich hoffte heimlich, dass sie mich bitten würden zu bleiben, damit ich ja sagen kann und einen Grund zum Bleiben habe. Meine Eltern gaben mir die richtigen Worte zur richtigen Zeit, ohne sie wäre ich nie nach Thailand gekommen. Mom umarmte mich und ließ mich durch die Sicherheitskontrolle gehen.

Meine 30-Stunden-Reise

Ich ging und saß im Flughafenterminal. Mein erster Flug ging nach Katar. Ich schluchzte am Flughafen. Ich habe noch nie in meinem Leben öffentlich geweint. Die Leute starrten mich an, aber das war mir egal, ich ließ einfach alles raus. Ich überlegte noch, ob ich zurücktreten sollte. Ich erzählte meiner besten Freundin vom College per SMS, wie ich mich fühlte. Sie rief mich an und redete mir 15 Minuten lang Mut zu und sagte mir, dass ich die einzige Person sei, der sie so etwas zutraue. Das war die aufmunternde Rede meines Lebens. Es gab mir genug Kraft, um in das Flugzeug zu steigen. Ich musste mich damit trösten, dass ich, wenn ich es wirklich hassen würde, genug Geld gespart hätte, um Thailand einfach zu genießen, bis mein Visum ablief und dann wieder nach Hause zu fliegen, nachdem ich all mein Geld ausgegeben hatte. Zu wissen, dass es nicht für immer sein musste, wenn ich es nicht wollte, gab mir noch mehr Kraft.

Ich beruhigte mich während des Fluges

Ein altes Ehepaar vor mir erinnerte mich an meine Eltern. Sie erzählten dem Mädchen neben ihnen, dass sie aus Texas stammten, aber derzeit in Katar lebten und sprachen davon das sie oft umziehen, genau wie meine Eltern. Das tröstete mich. Für den Rest des Fluges blieb ich ruhig.

Mein nächster Flug ging nach Chiang Mai, Thailand.

Als ich in Katar ankam, hatte ich eine 9-stündige Zwischenlandung. Alle meine früheren Ängste begannen wieder durch meinen Kopf zu gehen: Ich fing an auszuflippen wie “Was ist, wenn mein Professor tatsächlich ein Sexhändler ist und mich in die Sklaverei verkauft?”, woraufhin ich mich damit trösten musste, dass er einen guten Job an der Schule hat und es keine Möglichkeit gibt, dass er beides tun kann. Dann dachte ich Dinge wie “Was ist, wenn er die Webseite der Schule gehackt hat, um unschuldige Mädchen anzulocken und meine Universität weiß nichts davon?”, woraufhin ich dachte: “Du hast mit dem Dekan und anderen verifizierten E-Mail-Adressen der Schule gesprochen, es gibt keine Möglichkeit, dass er so tief gehen könnte.” Und dann dachte ich: “Was, wenn es eine riesige Verschwörung ist und die ganze Schule mit drinsteckt?” und ich musste mich daran erinnern, dass ich mich für deren Programm beworben hatte, sie haben mich nicht ausgesucht und sie sind eine legitime Organisation. Ich glaube, ich muss aufhören, so viele Verschwörungstheorien zu lesen. Ich hatte ein Pfefferspray eingepackt, das mir meine Freundin Abby zum Abschied geschenkt hatte und dachte mir einfach, wenn ich untergehe, dann nicht ohne Kampf.

Irgendwann ließ meine Pfefferspray-Sicherheit nach.

Um mich zu beruhigen, fing ich an, über Fluchtpläne nachzudenken. Zum Beispiel würde ich vielleicht ein airbnb in der Nähe meiner Schule mieten und die Leute loswerden, die mein Professor schickte, um mich abzuholen. Dann könnte ich mich am nächsten Tag dorthin schleichen und durch das Fenster gucken, um zu sehen, ob mein Professor böse war oder nicht.  Ich dachte an all die Ausreden, die ich mir ausdenken konnte, damit sie mich nicht abholen würden. Schließlich beschloss ich, dass ich mir die beiden am Flughafen ansehe und entscheiden würde, ob ich ihnen genug vertraute, um mit ihnen ins Auto zu steigen. Wenn nicht, würde ich abhauen.

Ich stieg in das Flugzeug zum Don Mueang Flughafen nach Bangkok ein.

Während dieser Zeit wurde mir klar, dass ich nicht einmal die Mittel hatte, um zu fliehen, selbst wenn ich es wollte. Mein Telefon war tot, ich kannte niemanden in Bangkok, ich wusste nicht einmal, wie ich zur Schule kommen konnte. Das beunruhigte mich.

Fortsetzung folgt...

Charissa Enget

Hallo, ich bin Charissa.
Ich bin von den Vereinigten Staaten nach Thailand
umgezogen, um meinen Masterabschluss zu machen,
Ich bin das Mädchen, das von Thailand fasziniert ist.
Ihr könnt mehr über mich auf mein Blog lesen

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