Karma gibt es wirklich.EvelynStuttgart, Deutschland - WirSindDu

LEBEN

Karma gibt es wirklich

Dass ich schnurstracks auf eine Lektion des Lebens zumarschierte, ahnte ich nicht, als ich vor vielen Jahren durch die Straßen des Stuttgarter Westen ging.

Es war früher Abend und ich, gut gelaunt, auf dem Weg zu meiner Verabredung. Vor mir, in ca. 100 Meter Entfernung, lief ein Mann.
Als er seine Hand aus der Hosentasche zog, glitt etwas langsam auf den Boden. Der Mann beschleunigte seinen Schritt Richtung Bushaltestelle. Während ich indes immer langsamer wurde.

Manche Aufgaben bekommt man überraschend

An der Stelle angekommen, wo das Etwas auf den Boden gefallen war, erkannte ich, dass es sich um einen 20- Euro Schein handelte. Ich hob diesen auf.

Sekundenschnelle Entscheidung

Binnen Bruchteilen von Sekunden hatten meine verschiedenen Gehirnareale die Situation erfasst und mich zum Handeln gebracht.
Mein limbisches System, entwicklungsgeschichtlich älter als die Großhirnrinde und bekanntlich schneller, produzierte rasend schnell Botenstoffe, die mich in das Gefühl des „Habenwollens“ brachten. Vernunft ist hier ein Fremdwort. Nach einem kurzen Reflex, dem Mann hinterherzurennen, entstand der Gedanke: „20 Euro kann ich gerade wirklich gut brauchen…“
Unser Frontallappen, Teil der Großhirnrinde, ist hier bekanntlich vernünftiger unterwegs. Dieser schickte mir den Einwand: „Was ich hier in meinen Händen halte, ist eindeutig nicht mein Eigentum…!?!“

Schein einstecken? Mann hinterherrennen?

Den Schein einzustecken fühlte sich unangenehm an. Die Moral und die Vernunft klopften ja inzwischen an.
Und dennoch tat ich es. Ließ den Mann laufen. Ließ ihn in den Bus einsteigen und davonfahren.

Wenn es sich nicht richtig anfühlt, mache es nicht

Der Bus war weg und ich steckte den Schein in meine Jackentasche. Richtig fühlte es sich nicht an.
Der ganze restliche Abend fühlte sich nicht richtig an. Immer wieder musste ich an den Mann denken.

Ich ärgerte mich, dass ich nicht meinem ersten Reflex gefolgt war.

Den 20-Euro Schein an den Mann zurück zu geben wäre richtig gewesen…
Noch vor dem Einschlafen überlegte ich mir, die 20 Euro zu spenden. So könnte ich ja wieder etwas „gutmachen.“
Am nächsten Tag überwies ich das Geld an eine Tierschutzorganisation.

Der karmische Wochenmarkt

Zwei Wochen später, die Geschichte mit dem 20- Euro Schein war in den Hintergrund gerückt, ging ich auf den Wochenmarkt einkaufen.
Nachdem ich meine Einkäufe erledigt hatte, bemerkte ich auf dem Weg zum Auto, dass ich an einem Stand meine Lederhandschuhe vergessen hatte. Ich hatte diese zum Bezahlen ausgezogen und auf einer Gemüsekiste abgelegt.
Schnell lief ich zurück. Es waren keine 10 Minuten vergangen, seit ich dort eingekauft hatte.
Die Handschuhe lagen nicht mehr dort. Auf meine Nachfrage erwiderte mir der Marktverkäufer, dass ihm nichts aufgefallen sei und sie vermutlich weggekommen wären.
Die Lederhandschuhe waren neu, ich hatte sie eine Woche zuvor im Lederwarenladen gekauft.
Sie hatten 20 Euro gekostet.

Intuition ist alles.

Albert Einstein

Auch wenn die Geschichte 25 Jahre zurückliegt und ich keinen Zweifel habe, dass ich heute dem Mann hinterherrennen würde, so kommt sie mir doch immer wieder in den Sinn.
Wenn es darum geht, mich zu fragen, ob das, was ich tue, einen positiven Beitrag für das Gesamte leistet. Oder ob es nur mir dient.
Wenn es darum geht, Handlungsweisen von Menschen zu be- und verurteilen.
Und wenn es darum geht, auf meine Intuition, meine innere Stimme zu hören. Denn wenn es sich nicht richtig anfühlt, dann sollte ich es lassen.

Evelyn A.

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