Keiner kann sagen, ich hätte es nicht ausprobiert.Stuttgart, Deutschland - WirSindDu

ARBEIT + LEBEN

Lebensgeschichten machen uns zu dem, was wir sind.

Leben heißt es nicht zu warten, bis der Sturm vorüberzieht, sondern lernen, im Regen zu tanzen.

Keiner kann sagen, ich hätte es nicht ausprobiert.

Von Aushilfsjobs von wenigen Tagen bis hin zu vierzehn Jahren bei einer Firma. Was braucht es, um dem Geheimnis eines erfüllten Lebens auf die Schliche zu kommen? Die Geschichte von Einem, der sich auf die Reise gemacht hat…

Lebensgeschichten machen uns zu dem, was wir sind.

Wir kommen mit einem Sinnes- und Erkenntnisapparat auf die Welt, der von unserer Millionen Jahre alten stammesgeschichtlichen Entwicklung geprägt ist. Diesem Abenteuer unserer kondensierten Geschichte schließt sich unsere nicht minder atemberaubende individuelle Geschichte an. Schon ziemlich früh vermittelte mir mein Apparat, mich in einem Dschungel zu befinden, in dem sich hinter jedem Hindernis ein neuer Weg, ein neuer Abzweig auftut, den ich beschreiten konnte, oder auch nicht. Ach wäre ich doch ein Tausendfüßler, könnte ich alle diese Wege beschreiten und mir ihr Geheimnis erschließen. Dem war nicht so, also verbrachte ich die ersten Jahre im stummen Staunen der Welt.

Relativ bald ließ sich dieses Konzept nicht weiter verfolgen,

also stellte ich mich den teilweise lästigen Anforderungen meiner Mitwelt und folgte den vorgegebenen Erkenntnispfaden mit mehr oder weniger Erfolg. Noch als Schüler betätigte ich mich schon als Zweiradmechaniker, Unkrautpflücker in rheinischen Rübenfeldern, Dosenöffner in der Ketchupfabrik, Porzellanbrenner, Asbestplattenhersteller, Klavierschlepper, Mofahändler, war als Bauhelfer, Industriereiniger, Nachhilfelehrer, Geschichtenerzähler, Wallfahrer und Vortänzer auf Adelsbällen unterwegs. Der Dschungel gab sein Geheimnis nicht preis.

Daher beschloss ich, der Sache akademisch auf den Grund zu gehen

und schrieb mich für ein Studium Generale der Naturwissenschaften ein.
Sinologie wurde in dem Jahr nicht angeboten. Dies trieb mich in die Welt, ich fand mich wieder als Brunnenbauer in Thailand, Mineralienhändler im Maghreb, Autoschieber im Sahel, wurde in Algerien verhaftet, kartierte Bergdörfer im Himalaya, entwischte Häschern in Nigeria, paddelte im Einbaum zu den Pygmäen in Kamerun, und hielt schließlich einen Abschluss der Geowissenschaften in meinen Händen. Langsam ließen sich Konturen des Schleiers erahnen.

Die Reise ging weiter, ich versetzte Erzberge in Persien,

kochte Edelmetalle aus sibirischem Gestein, baute Mühlen in Mauretanien, reinigte synthetische Antibiotika in Indien, vergor Penicillin in China, verarbeitete Kobalt in Katanga, blies Kohlenstaub in polnische Kraftwerke. Endlich traf ich auf meine erste wirkliche Herausforderung, ich übernahm Verantwortung, heiratete eine wunderbare Frau und es wurden uns ebensolche Kinder geschenkt. Die Herausforderung ging weiter: zu früh hat sie diese Welt verlassen. Ich heiratete wiederum eine wunderbare Frau, wir wurden wiederum mit ebensolchen Kindern beschenkt. Der Schleier begann sich zu heben und sein Geheimnis preiszugeben.

Neben all den Errungenschaften meiner Reisen nach Innen und Außen,

also Staunen, Wissen, Freundschaften, Schöpfungen, Gotteserfahrungen, ist ein steter Begleiter auf meinen Wegen auch diese eine Perspektive gewesen: der Blick in den Abgrund. Erkenntnis kommt ohne diese nicht aus. Es sind auch die Verluste, die uns prägen, wie in meinem Fall ideelle und materielle Verluste, Verluste durch Krankheit und Tod, Verluste des Urvertrauens in die Welt, Arbeitsplatzverluste. Aber auch diese lassen das Geheimnis der Schöpfung erfahren und sich ihm nähern.

Nach all diesen Fährnissen eröffnet der lichter werdende,

aber immer noch geheimnisvolle Dschungel nun einen weiteren Weg: gemeinsam mit Carmen haben wir eine Plattform für Menschen entwickelt, die früher oder später, mehr oder weniger, stärker oder schwächer, bis zu diesem Punkt gelangt sind, nämlich zu erkennen, dass wir alle, trotz teils beharrlicher Zielstrebigkeit, diesen mäandernden Weg gegangen sind, dass wir uns in den Geschichten der Anderen wiederfinden, um neugierig, tatkräftig, achtsam und uns gegenseitig inspirierend unsere Wege weiter zu beschreiten.

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